Bauwagenhotel mitten in Natur

Das Sommergesellentreffen wird beim Schacht Axt und Kelle seit Jahrzehnten gepflegt. Tradition hat es für die reisenden Gesellinnen und Gesellen, sich dort zu treffen, wo sie mit ihrem Wissen und ihrer Hände Arbeit für Kost und Logis ein gemeinnütziges Projekt unterstützen können. MAFELL stellt seit vielen Jahren für die Dauer der Sommerbaustelle Zimmereimaschinen und Elektrowerkzeugen zur Verfügung.

Bereits vor einigen Jahren wurde beim Sommergesellentreffen das Hauptgebäude der Harnbachmühle im fränkischen Hartenstein saniert und nutzbar gemacht. Nun sollte das lange geplante Gemeinschaftshaus saniert und umgebaut werden. Wegen der fehlenden Genehmigung und Mittel machten die Verantwortlichen des Vereins Mühlenkraft und die Wandergesellinnen und -gesellen des Schachtes Axt und Kelle aus der Not eine Tugend. Innerhalb von elf Tagen entstanden auf dem Gelände vier schmucke Bauwagen – eine Herberge der anderen Art. Mit Enthusiasmus, handwerklichem Geschick und mit Unterstützung der Elektrowerkzeuge und Zimmereimaschinen von MA-FELL ging es den 30 Teilnehmern fix von der Hand.

Die Mitglieder des Vereins stellen den Innenausbau der Hotelzimmer auf Rädern fertig und bauen rollstuhlgerechte Terrassen.


Nicht nur die neue Situation, sondern auch die besonderen Anforderungen an die Bauwagen seitens der Straßenverkehrsordnung stellten die Gesellinnen und Gesellen vor Herausforderungen. Die in Holzrahmenbauweise erstellten fahrbaren Hotelzimmer durften eine Größe von 5,20 x 2,54 x 2,55 m nicht überschreiten. Vier Gesellen kümmerten sich um den Abbund der Wände und Bodenplatten. In traditionellem Holzrahmenbau zimmerten sie in Windeseile auf einem provisorischen Abbundtisch die ersten Bodenplatten mit den Maßen 4,9 x 2,3 m aus 6/8- Konstruktionsvollholz (KVH) zusammen. Die Rahmen für die Böden wurden mit einer Unterspannbahn und Rauspundbrettern versehen und später, nach der Montage, mit einer 80 mm starken Holzfaserplatte gedämmt. Als Beplankung wählten die Bauwagenkonstrukteure 25 mm starken OSB-Platten.

Nach dem Abbund der Bodenplatten ging es an den Abbund der Wände mit den Maßen 4,9 x 2,2 m und 2,3 x 2,2 m. Auch die Wände wurden aus 6/8-KVH gefertigt und mit 15 mm starken OSB-Platten beplankt. Die Ausschnitte der Fenster und Türen wurden mit der MAFELL Kappschienen-Säge KSS 300 präzise ausgearbeitet. Beeindruckt waren die Ausführenden vom geringen Gewicht und den kompakten Abmessungen des Allroundtalentes.

Richten der Aufbauten

Nun stand die Aufbereitung der landwirtschaftlichen Anhänger an, die zuvor als sogenannte Strohlader genutzt wurden: Diese wurden bis auf den Rahmen zurückgebaut, Rost wurde entfernt und ein korrosionshemmender Anstrich aufgetragen.

Die Unterkonstruktionen des Bauwagenaufbaus wurden mit Gewindestangen verbunden. Dazu ließen sich mit der MAFELL Bohrstation BST 650 S exakte Durchgangslöcher erstellen. Die Bodenplatten wurden mit dem MAFELL Schlagbohrschrauber ASB 18M bl kraftschlüssig mit Tellerkopfschrauben auf den Unterkonstruktionen verschraubt. Als nächstes standen die Montage und Dämmung der Wände an. Nachdem die Unterspannbahn und die Sparren für die Dächer befestigt waren, wurden die Konterlatten von außen mit Ringnutnägeln an die Wände angeschossen.

Verschalen der Bauwagen

Während des Aufbaus der Wagen strich ein vierköpfiges Team die Sichtschalung aus heimischer Lärche mit einer ökologischen Grundierung. Parallel dazu fertigte ein zweites Team Eckstiele für die Wagen. Die Längsfräsungen zur Verzierung wurden mit der MAFELL Oberfräse LO 65 Ec erstellt. Und weiter ging’s: Konterlatten anschießen, Verschalung und die Eckstiele montieren.

Das Tonnendach

Eine besondere Herausforderung war die Dachkonstruktion: je Bauwagen zwölf Sparren in Bogenform mit einer Spannweite von 2,3 m. Dazu wurden vorbereitend 6 cm starke aufgetrennte Kieferbohlen in einer nahegelegenen Tischlerei abgerichtet und verleimt. Für das Ausarbeiten der gerundeten Sparren wurde anhand der Zeichnung eine Schablone erstellt. Schnell und dennoch präzise wurden mit der MAFELL Handbandsäge Z5 Ec und der MAFELL Präzisionsstichsäge P1 cc Sparren um Sparren ausgesägt.

Beim Richten wurde an der Innenseite der Sparren eine Sanierungsbahn verlegt, die zuvor in den Langwänden zwischen Holzrahmen und OSB-Platten eingeklemmt wurde. Über der Sanierungsbahn wurden 4 mm dicke Sperrholzplatten von unten angebracht. Daran konnte im Anschluss das Dach in Zwischensparrendämmung gedämmt werden. Nun mussten nur noch die Unterspannbahn angetackert werden und die Konterlatten und Schalbretter auf den Sparren montiert werden.

Die Ortgangbleche, Traufbleche und Rinnen wurden bei einem nahegelegenen Spengler gefertigt. Die gebogenen Ortgangbleche wurden zweiteilig ausgeführt: Zunächst ein L-Profil aus 0,7 mm starken Zinkblech gebogen und anschließend der Ortgang mit einem ausgeschnittenen Zinkblech überdeckt. Der Anschluss an die Traufbleche wurde nachträglich verlötet. Das Dach wurde abschließend mit einer Lkw-Plane (680g/m²) vollflächig mit einem Hybrid-Polymerkleber verklebt.

Fenster und Türen aus Lärche

Parallel zu den Bauarbeiten auf dem Mühlenareal fertigten fünf Tischlerinnen und Tischler in einer nahegelegenen Tischlerei 16 Fenster und vier Türen aus Lärche für die Bauwagen. Besonderes Augenmerk wurde auf den barrierefreien Zugang und damit auf die Breite der Eingangstür gelegt. Die runden Fensterausschnitte der Türen wurden mit der MAFELL Präzisionsstichsäge P1 cc und dem Kreisschneideanschlag gesägt.

Über den Schacht Axt und Kelle

Der Schacht Axt und Kelle hat sich 1982 als Alternative zu den traditionellen Männerschächten (Gesellenvereinigungen) gegründet, um Frauen die Wanderschaft in einer Gesellenvereinigung zu ermöglichen, sich während der Wanderschaft in Kluft politisch aktiv zu zeigen und im Kollektiv ohne Meister Baustellen anzugehen. Außerdem ist es den Mitgliedern erlaubt, anders als in anderen Schächten, selbstbestimmt und in Gruppen zu wandern. Die Reisezeit beträgt zwei oder drei Jahre und einen Tag. Die Mitglieder tragen im Gegensatz zu den traditionellen Schächten keine Ehrbarkeit (Schlips), sondern einen Ohrring mit dem Schachtsymbol: Axt und Kelle vor aufgehender Sonne. Der Schacht ist offen für Handwerkerinnen und Handwerker der unterschiedlichsten Gewerke. Die meisten schließen sich aus dem Bauhauptgewerbe an. Beim Sommergesellentreffen wird für Kost und Logis ein gemeinnütziges Projekt unterstützt.

 

Über die Mafell AG

Das 1899 gegründete Familienunternehmen ist Premiumhersteller für handgeführte Maschinen und Elektrowerkzeuge zur professionellen Holzbearbeitung insbesondere für das Zimmereiund Schreinerhandwerk. Mit anerkannter Werkstoff- und Technologiekompetenz und gelebtem Qualitätsbewusstsein stellt MAFELL Produkte her, die den Anwender durch innovative Lösungen, Leistung, Präzision und Langlebigkeit überzeugen. 300 hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produzieren ausschließlich am Standort Oberndorf/Neckar in einer für die Branche ungewöhnlich hohen Fertigungstiefe.

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