Alternative zur Kurzarbeit: Unternehmen sollen Maschinen vermieten

Kurzarbeit ist aktuell wieder ein Thema. In Niedersachsen rechnen insbesondere die Automobilzulieferer 2020 mit einer schlechten Auftragslage. Es ist noch nicht lange her, da hatten dieselben Unternehmen genug Aufträge, teilweise mehr, als sie bewältigen konnten. Die schwankende Auftragslage trifft insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hart. Wissenschaftler aus Hannover und Stuttgart entwickeln jetzt eine Alternative zur Kurzarbeit: Unternehmen sollen künftig ihre Produktionskapazitäten teilen – mit Betrieben aus anderen Branchen, die zu viele Aufträge haben.

Künftig sollen Unternehmen Maschinenstunden über eine digitale Plattform anbieten und einkaufen, so die Idee der Wissenschaftler vom Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gGmbH und vom International Performance Research Institute (IPRI) in Stuttgart. Im Forschungsprojekt „KapShare“ entwickeln sie gemeinsam den Prototyp einer solchen Plattform zum „branchenübergreifenden Sharing von Produktionskapazitäten“.

„Zunächst untersuchen wir, wie eine solche Austauschplattform gestaltet sein muss, damit Unternehmen sie akzeptieren“, sagt Projektleiterin Maren Müller vom IPH, „und zwar sowohl aus Anbieter- als auch aus Nachfragersicht.“ Welche Informationen brauchen Unternehmen, die fremde Aufträge auf ihren Maschinen fertigen wollen? Wie kann es gelingen, alle wichtigen Daten weiterzugeben – von CAD-Modellen bis hin zu exakten Informationen zum Material – und trotzdem sensible Kundendaten zu schützen? In welchen Branchen kann das Kapazitätssharing funktionieren? Und lohnt sich die Zusammenarbeit auch dann, wenn zwischen den kooperierenden Unternehmen hunderte Kilometer liegen und die Produkte weit transportiert werden müssen? All diese Fragen wollen das IPH und das IPRI im Forschungsprojekt beantworten, mehrere Anwendungsszenarien aufstellen und auf dieser Basis den Prototyp einer Austauschplattform entwickeln.


Die Plattform soll Unternehmen helfen, starke Auftragsschwankungen abzufangen, denn besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) rutschen bei Über- oder Unterauslastung schnell in die Krise. Auftragsspitzen fangen sie aktuell mit Sonderschichten oder Leiharbeitern ab. Doch wenn die Maschinen komplett ausgelastet sind, bleibt bisher nur die Möglichkeit, Liefertermine zu verschieben oder Aufträge abzulehnen. Bei Auftragseinbrüchen wiederum stehen die Maschinen still – und die Mitarbeiter müssen unter Umständen ihre Arbeitszeit verkürzen.

Kurzarbeit ist aktuell wieder ein Thema: Laut dem Konjunkturausblick 2020 des Branchenverbands NiedersachsenMetall schätzen 54 Prozent der befragten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie ihre Geschäftslage als schlecht ein, im Automotive-Bereich sind es sogar 71 Prozent. Viele dieser Unternehmen planen 2020 Kurzarbeit oder Personalabbau.

Unternehmen, für die das Kapazitätssharing eine Alternative sein könnte, sollten sich beim IPH melden: Die Wissenschaftler suchen insbesondere noch produzierende Unternehmen, die beim Aufbau einer entsprechenden Plattform mitarbeiten und diese testen wollen. Die Betriebe können sich direkt an Projektleiterin Maren Müller wenden. Zu erreichen ist sie unter der Telefonnummer (0511) 279 76-443 sowie per E-Mail an mueller@iph-hannover.de.

Über die IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover gemeinnützige GmbH

Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gemeinnützige GmbH forscht und entwickelt auf dem Gebiet der Produktionstechnik. Gegründet wurde das Unternehmen 1988 aus der Leibniz Universität Hannover heraus. Das IPH bietet Forschung und Entwicklung, Beratung und Qualifizierung rund um die Themen Prozesstechnik, Produktionsautomatisierung, Logistik und XXL-Produkte. Zu seinen Kunden zählen Unternehmen aus den Branchen Werkzeug- und Formenbau, Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrt und der Automobil-, Elektro- und Schmiedeindustrie.

Das Unternehmen hat seinen Sitz im Wissenschaftspark Marienwerder im Nordwesten von Hannover und beschäftigt aktuell ca. 70 Mitarbeiter, etwa 30 davon als wissenschaftliches Personal.

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