Neue Normenreihe zur Kalibrierung von Volumenmessgeräten

Bei der Kalibrierung von Volumenmessgeräten definiert die DIN EN ISO 8655 den international anerkannten Stand der Technik. Sowohl Kalibrierlaboratorien als auch Labore, die ihre Pipetten und sonstigen Volumenmessgeräte wie Dispenser, Büretten und Dilutoren selbst kalibrieren, müssen diese Norm also beachten. Die aktuelle Norm besteht aus sechs Teilen und stammt aus dem Jahr 2002.

DIN EN ISO 8655 komplett überarbeitet


In Zukunft wird die Sache noch komplizierter. Denn ISO hat die gesamte Serie überarbeitet und um weitere drei Teile ergänzt, so dass sie nun aus neun Teilen besteht:

  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 1: Begriffe, allgemeine Anforderungen und Gebrauchsempfehlungen (ISO/DIS 8655-1:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 2: Pipetten (ISO/DIS 8655-2:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 3: Büretten (ISO/DIS 8655-3:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 4: Dilutoren (ISO/DIS 8655-4:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 5: Dispenser (ISO/DIS 8655-5:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 6: Gravimetrisches Referenzprüfverfahren zur Bestimmung des Volumens (ISO/DIS 8655-6:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 7: Alternatives Prüfverfahren zur Bestimmung des Volumens (ISO/DIS 8655-7:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 8: Photometrisches Referenzprüfverfahren zur Bestimmung des Volumens (ISO/DIS 8655-8:2020)
  • Volumenmessgeräte mit Hubkolben – Teil 9: Manuell betätigte Präzisionslaborspritzen (ISO/DIS 8655-9:2020)

Zu beachten ist das Kürzel „DIS“ hinter dem „ISO“. Es steht für Draft International Standard. Noch handelt es sich also um Entwürfe. Diese Entwürfe hat das Deutsche Institut für Normung nun übersetzt und über die Webseite des Beuth-Verlags (www.beuth.de) mit dem Stand 2020-09 online gestellt. Für alle 9 Teile werden ansehnliche 650 € aufgerufen. Da sich die Entwürfe noch ändern können, muss man sich dieses Investment genau überlegen. Denn demnächst wird dann der „FDIS“ publiziert, der Final Draft International Standard. Wer den bestellt, kann dann darauf vertrauen, dass es keine inhaltlichen Änderungen mehr gibt bis zur endgültigen Neuausgabe der Norm, die dann in 1-2 Jahren zu erwarten sein dürfte.

Die wesentlichsten Veränderungen im Vergleich zur Vorgängerausgabe sind:

  • Die gravimetrische Bestimmungsmethode verliert ihren Alleinstellungsanspruch: alternative Verfahren wie die Photometrie sind jetzt „ISO-fähig“ (siehe ISO/DIS 8655-7 und ISO/DIS 8655-8)
  • Laborspritzen wurden neu aufgenommen (ISO/DIS 8655-9)
  • Begriffe und Abkürzungen wurden überarbeitet
  • Allgemeine Anforderungen an Messkapazität und Referenzmessungen wurden hinzugefügt.

In den letzten Jahren ist mit dem Wachstum des Marktes für Liquid Handling Anwendungen auch die Zahl der Anbieter und Produkte angestiegen: Eppendorf, dem Marktführer bei Pipetten, sind immer mehr Verfolger auf den Fersen. Gleichzeitig haben die großen Anbieter von Laborwaagen nun auch Pipetten und andere Liquid Handling Geräte im Angebot. All diese Firmen sind auch in der Normung aktiv und es bleibt abzuwarten, ob sie einen merklichen Einfluss auf die neue ISO 8655 haben werden. Gerade bei den zulässigen Toleranzen der Geräte, besonders auch der Waagen könnte das spannend werden.

Das Schulungs- und Beratungshaus Klinkner & Partner (www.klinkner.de) hat bereits angekündigt, zu den neuen Anforderungen der ISO 8655 spezielle Seminare und Webinare anzubieten, damit sich Kalibrierlaboratorien, Prüfhäuser und andere Benutzer von Volumenmessgeräten frühzeitig auf die kommenden Änderungen einstellen können.

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