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KI-Kompetenz für eine bessere Bildungstechnologie

Die Sehnsucht nach Schnee führte Dr. ‚Joba Adisa an die Clemson University. Gefunden hat er ein subtropisches Klima und die Leidenschaft seines Lebens: die Optimierung der Bildungstechnologie. Beim diesjährigen Global Technology Forum am TUM Campus Heilbronn sprach er mit internationalen Expertinnen und Experten über den Ausbau von KI-Kompetenz für Schüler und Lehrer.

Wie trügerisch Momentaufnahmen sein können, erfuhr ‚Joba bei seinem Wechsel von seinem Heimatland Nigeria an eine Elite-Universität in South Carolina: „Nach meinem Master suchte ich die nächste ideale Station. Auf der Webseite der Clemson University fiel mir auf, dass die Bilder total verschneit waren – und ich liebe Schnee. Als ich dann nach Clemson kam, stellte ich fest, dass es dort maximal einmal im Jahr schneit, wenn überhaupt. Da dachte ich mir: Oh Mann, ich hätte besser nachforschen sollen.“ Doch der studierte Physiker war ja nicht in erster Linie wegen des Wetters gekommen und intensivierte seine Forschung im Bereich maschinelles Lernen im Kontext der Bildungstechnologie.

Lehren und Lernen mit KI

Während seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit KI-Kompetenzen im K-12-Bereich, also vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse. Diese sind einem stetigen Wandel unterworfen: „Technologie entwickelt sich immer weiter. In den vergangenen Jahren waren es Virtual Reality und E-Learning-Plattformen, heute ist es KI. Die entscheidende Frage bleibt jedoch dieselbe: Wie können wir diese Technologie für besseres Lehren und Lernen nutzen?“

Nach seiner Promotion in Clemson wechselte er von der Ost- zur Westküste ins Silicon Valley ans Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence (HAI) in Kalifornien. Dort setzte er seine Forschung in einem breiteren Rahmen fort – nicht mehr nur mit Schülern, sondern auch mit Lehrern im sowie mit Industriepartnern wie Google und dem College Board. Bereits während seines Masterstudiums entdeckte er die Vorzüge der Kombination aus Wissenschaft und Praxis: „In Nigeria war ich für die Niederlassung eines globalen Unternehmens tätig – Tek Expert. Menschen mit verschiedenen Ethnien und Sprachen arbeiten dort Hand in Hand.“

Wissenschaft mit Wirkung

‚Joba sieht hier auch den Schlüssel für erfolgreiche Forschung: „Durch die Zusammenarbeit mit der Industrie gelangt die Wissenschaft aus dem Vorlesungssaal in die Öffentlichkeit und in die reale Welt.“ Denn mit begrenzten öffentlichen Fördermitteln allein versinken selbst die besten Untersuchungen im Sand. „Man kann eben nur so viele Klassenzimmer besuchen, wie es die Finanzierung, die Ressourcen und die Zeit zulassen“, erklärt ‚Joba. Zudem sind die Ergebnisse oft schwer zugänglich, da „nur sehr wenige Menschen wissenschaftliche Artikel lesen.“

Dabei lohnt es sich – besonders stolz ist ‚Joba auf sein neuestes Paper mit dem Titel “It can not only just predict your future; it can also change it”: a case of two children examining algorithmic bias in machine learning. Denn der Aufwand für die Arbeit hat sich gelohnt, und der Artikel wurde im renommierten Journal of the Learning Sciences veröffentlicht. Er untersucht, wie Kinder aus einer kritischen Perspektive mit KI-Technologien umgehen. ‚Joba führt aus: „Es geht auch darum, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Beschäftigung mit KI eine kritische Sichtweise entwickeln. Indem sie selbst Modelle für maschinelles Lernen erstellen, sollen sie besser verstehen, welche sozialen Folgen es haben kann, wenn bestimmte Gruppen nicht an der technologischen Entwicklung teilhaben.“

Aktive Teilhabe am Heilbronner Ökosystem

Teilhabe und Praxisbezug erfuhr ‚Joba dagegen beim diesjährigen GTF: „Mein persönliches Highlight war der Besuch der gerade stattfindenden TECH-Konferenz. Es war großartig zu sehen, wie viele Leute Forschungsergebnisse in die Praxis umsetzen. Und auch, wie die Community über diese Technologie nachdenkt.“ Der Postdoc beteiligte sich als Podiumsgast im House of Start-ups an der öffentlichen Fish-Bowl-Diskussion „Bridging the Gap Between Research and Its Application, Commercialization, and Spin-offs“.

Den ständig wachsenden Campus Heilbronn betrachtet er mit großem Respekt. Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Jedes Jahr entsteht hier ein neues Gebäude. Überlasst das Bauen den Deutschen.“ Doch auf dem Campus entstehen nicht nur neue Komplexe, sondern auch Kooperationen. So ist ‚Joba seit dem GTF 2025 mit Prof. Kejia Hu aus Oxford im Austausch. In diesem Jahr interessierte ihn besonders der Workshop „Reimagining Academia in the Age of AI“ von HUJI-Professorin Tomer Shadmy: „Uns vereint das Interesse daran, wie sich KI entwickeln wird und wie sie Bildung und Wissenschaft verändern wird.“  

Mit neuen Kontakten und Forschungsansätzen kehrte Dr. ‚Joba Adisa nach Stanford zurück. Doch bald steht die nächste persönliche Veränderung für ihn an: „Im August dieses Jahres werde ich Professor für KI und neue Technologien an der Clemson University.“ Damit schließt sich für ‚Joba der Kreis – auf Schnee wird er aber weiterhin verzichten müssen.

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