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Neue VDI 4062 Blatt 1 für Evakuierungen im Gefahrenfall erschienen

Im Juli 2026 ist die überarbeitete Richtlinie VDI 4062 Blatt 1 "Evakuieren von Personen im Gefahrenfall – Grundlagen" erschienen und ersetzt die bisherige VDI  4062:2016-04 "Evakuierung von Personen im Gefahrenfall". Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (DGWZ) hin. Die Richtlinie richtet sich an Arbeitgeber und Betreiber, die für den Schutz von Beschäftigten sowie betriebsfremden Personen wie Besuchern oder Kunden verantwortlich sind. Sie ist auf alle betrieblichen Situationen anzuwenden.

Die neue VDI 4062 Blatt 1 unterstützt bei der Erstellung und Fortschreibung betrieblicher Evakuierungskonzepte und konkretisiert bestehende Anforderungen aus Arbeitsschutz und betrieblicher Gefahrenabwehr. Sie beschreibt den Aufbau eines Konzepts von der Bestandsaufnahme und Bewertung möglicher Gefährdungen über die Aufgabenverteilung im Alarmfall bis zur Durchführung und Auswertung von Übungen. Ausführlich behandelt werden unter anderem Führungs- und Organisationsaufgaben, Auswahl und Unterweisung von Evakuierungshelfern, technische Ausrüstung, Sammelstellen und Dokumentation.

"Die neue Fassung ist deutlich konkreter und führt wie ein roter Faden durch die Erstellung eines Evakuierungskonzepts. Entscheidend ist, mögliche Gefährdungsszenarien im Vorfeld zu bewerten, Verantwortlichkeiten festzulegen und das Personal vorzubereiten. Ziel muss sein, vor die Lage zu kommen, und nicht erst im Ereignisfall zu reagieren", erklärt Dipl.-Ing. Michael Haug, Fachausschussvorsitzender der VDI 4062.

Grundlage des Evakuierungskonzepts sind die konkreten Gefährdungen und betrieblichen Bedingungen. Zu berücksichtigen sind unter anderem bauliche Gegebenheiten, Personenzahlen, Flucht- und Rettungswege sowie vorhandene Gefahrenabwehrkräfte. Oberstes Schutzziel ist die Selbstrettung aller im Objekt befindlichen Personen. Ist eine Selbstrettung nicht möglich, muss die Fremdrettung im Evakuierungskonzept gesondert berücksichtigt werden. Die Richtlinie beschreibt hierzu auch die Schnittstellen zu den Gefahrenabwehrkräften. Die Wirksamkeit des Evakuierungskonzepts ist regelmäßig zu kontrollieren, beispielsweise durch eine Übung. Die Ergebnisse sind zu dokumentieren und erkannte Verbesserungsmöglichkeiten anschließend in das Konzept aufzunehmen.

Neu ist außerdem, dass die Funktionen von Evakuierungshelfern und Brandschutzhelfern stärker zusammengeführt werden. Damit sollen bestehende Strukturen des betrieblichen Brandschutzes effizienter in die Evakuierungsorganisation eingebunden werden.

Evakuierungsplanung muss sich dabei an unterschiedlichen Gefährdungsszenarien orientieren. Neben Bränden können beispielsweise Gefahrstofffreisetzungen, Naturereignisse, Bedrohungen oder der Ausfall von Infrastruktur Maßnahmen erforderlich machen. Doch nicht jede Gefahrenlage verlangt dieselbe Reaktion. Für lebensbedrohliche Gewalttaten steht mit der VDI  4062 Blatt 2:2021-01 "Evakuierung von Personen im Gefahrenfall – Vorbeugende Gefahrenabwehr von lebensbedrohlichen Gewalttaten" eine eigene Richtlinie zur Verfügung. Sie enthält besondere Organisations- und Handlungsempfehlungen, da bei solchen Bedrohungslagen grundsätzlich andere Verhaltensweisen als bei klassischen Evakuierungsmaßnahmen erforderlich sein können.

Die VDI 4062 Blatt 1 enthält zusätzlich ein ausführliches Umsetzungsbeispiel, eine Checkliste zur Ermittlung der erforderlichen Anzahl an Evakuierungshelfern, einen beispielhaften Aufbau eines Evakuierungskonzepts sowie Muster für die Unterweisung und Benennung von Evakuierungshelfern. Sie bietet Arbeitgebern und Betreibern damit eine strukturierte Grundlage, um die Evakuierungsplanung in die betriebliche Gefahrenabwehr und bestehende Sicherheitskonzepte einzubinden.

Über die Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit mbH

Die Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (DGWZ) setzt sich branchenübergreifend für Unternehmen in Deutschland ein, veröffentlicht neutrale Fachinformationen und bietet bundesweit Seminare zu Normen, Richtlinien und Vorschriften für die berufliche Weiterbildung an. Die DGWZ hat ihren Sitz in Bad Homburg und wurde 2013 gegründet.

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