Auf einer erweiterten Grundstücksfläche von bisher rund 90 und nun 110 Hektar wird die Produktionskapazität von Treibladungskomponenten für Rohrartillerie und weitere großkalibrige Systeme signifikant gesteigert. Hierzu werden mehrere hundert Millionen Euro investiert. Die Belegschaft in Aschau wächst weiter. Deren Zahl stieg bereits seit 2022 bis heute um rund 80 Prozent auf über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jetzt sollen mehrere hundert weitere Arbeitsplätze entstehen, so dass künftig 1.400 Kolleginnen und Kollegen hier arbeiten werden.
Bereits ab 2027 soll die Produktion in den neu geschaffenen Liegenschaften schrittweise beginnen. Derzeit produziert der Standort Aschau im Schichtbetrieb rund um die Uhr etwa 1.700 Tonnen Pulver und rund 300.000 Treibladungsmodule pro Jahr. In den nächsten 24 Monaten soll die Produktion von Pulver und Treibladungsmodulen mehr als verdoppelt werden. So sollen in Aschau bis zu 2.500 weitere Tonnen Pulver, über 5 Millionen verbrennbare Formteile und über eine Million modulare Treibladungsmodule hergestellt werden. Die gesamte Wertschöpfungskette für modulare Treibladungen erfolgt aus einer Hand – und an einem Standort. Die maximale Fertigungskapazität wird 2028 erreicht sein.
Die Treibladung („Pulver“) ist eine der wichtigsten Komponenten im Bereich der Waffensysteme. Das Pulver verbrennt nach der Anzündung kontrolliert und rückstandsfrei. Hierdurch treibt es das Geschoss aus dem Waffenrohr in Richtung Ziel.
„Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit sind die Voraussetzung für Freiheit: Die Grundsteinlegung zur Werkserweiterung der Rheinmetall-Tochter Nitrochemie in Aschau am Inn ist ein guter Tag für die Sicherheit“, so Ministerpräsident Dr. Markus Söder. „Rheinmetall investiert 500 Mio. € in die größte und modernste Pulverfabrik Europas. Das trägt entscheidend zu Resilienz und Autonomie im Verteidigungsbereich bei und schafft 500 neue, sichere Arbeitsplätze in der Region. Davon profitieren Deutschland, die EU und die NATO. Denn: Nur wer sich verteidigen kann, wird nicht angegriffen. In Bayern haben Sicherheit und Verteidigung Priorität – ein Drittel der Defence-Tech-Unternehmen Deutschlands hat ihren Sitz im Freistaat. Mit einem eigenen Rüstungsgesetz sorgen wir für Vorfahrt für Verteidigungsunternehmen. Wir sind dabei wie beim Bundeswehrgesetz deutschlandweit Vorreiter!“
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Nils Schmid: „Der Ausbau der Produktionskapazitäten, insbesondere bei Munition, in Deutschland ist eine sicherheitspolitische Notwendigkeit und auch für unsere Partner von höchster Bedeutung. Ich bin deshalb dankbar, dass die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie auf allen Ebenen Anstrengungen unternimmt, die Lieferketten resilienter zu gestalten. Das Ergebnis sehen wir sehr eindrucksvoll. Mit der neuen Anlage hier in Aschau wird auf den akuten Munitionsbedarf in Deutschland und in Europa reagiert. Die zusätzliche Produktionskapazität sorgt insgesamt für eine gesteigerte Souveränität in Deutschland und Europa. Es zeigt, dass demokratische Staaten bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und füreinander einzustehen. Im Namen der Bundesregierung wünschen wir einen zügigen Bau und größtmöglichen Erfolg bei diesem wichtigen Beitrag zur Verteidigung Deutschlands und Europas.“
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG: „Rheinmetall ist seit seiner Gründung ein Kompetenzzentrum für Waffen- und Munitionssysteme. Wir decken als einer der wenigen Hersteller in der Munitionsfertigung die komplette Wertschöpfungskette ab – von der Treibladung über den Primer und den Zünder, die Geschosshülle bis zur Sprengladung bzw. der Wirkladung. Keine dieser Komponenten darf zum Engpass werden. Gerade beim Pulver, welches weltweit nur wenige Hersteller produzieren, ist Autarkie entscheidend. Der Standort Aschau wird somit entscheidend zur nationalen Souveränität und glaubhaften Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas beitragen.“
Hintergrund: Rheinmetall-Projekt „Firepower“ und weiterer Kapazitätsaufbau
Mit dem Projekt „Firepower“ reagiert Rheinmetall auf die dringende Nachfrage nach Munition in der westlichen Welt. Rheinmetall investiert massiv in seine Fertigung, sowohl mit dem Bau neuer Munitionswerke wie dem in Unterlüß als auch mit dem weiteren Ausbau von bestehenden Standorten wie der Nitrochemie. Bis 2030 wird eine jährliche Konzernkapazität von 20.000 Tonnen Treibladungs-pulver angestrebt, um den Munitionsbedarf der Bundeswehr, der NATO und der EU abzusichern. Über ein Fünftel davon – 4.200 Tonnen – wird aus Aschau kommen. Insgesamt investiert Rheinmetall rund 650 MioEUR in die Herstellung von Treibladungspulver und deren energetische Vorprodukte, davon 350 MioEUR in Aschau. Neben dem Rheinmetall-Standort Aschau a. Inn beteiligen sich unter anderem die Produktionsstätten in Wimmis in der Schweiz sowie Murcia und Burgos in Spanien am Kapazitätsaufbau.
Über die Rheinmetall Nitrochemie-Gruppe
Die Rheinmetall Nitrochemie-Gruppe ist ein deutsch-schweizerisches Unternehmen. Sie hat ihren Sitz in Wimmis im schweizerischen Kanton Bern und im oberbayerischen Aschau a. Inn.
Beide Standorte haben eine lange Tradition: In Wimmis wird seit dem Ende des Ersten Weltkrieges Pulver hergestellt. Seit 1953 firmiert der Standort Aschau unter dem Namen WNC Nitrochemie und stellt dort Pulver her, 1994 erfolgte die Übernahme durch Rheinmetall.
1998 fusionierten der Geschäftsbereich „Pulver & Ladungen“ der SM Schweizerische Munitions-unternehmung AG in Wimmis und die WNC Nitrochemie zur Rheinmetall Nitrochemie-Gruppe. Der Aschauer Standort firmiert seither als Nitrochemie Aschau GmbH, der Schweizer Standort als Nitrochemie Wimmis AG.
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