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Low Cost Automation, Karakuri und Industrie 4.0: Wie Unternehmen Materialflüsse wirtschaftlich automatisieren

Automatisierung ohne Überautomatisierung: Warum Low Cost Automation und Karakuri neue Perspektiven eröffnen
Die Automatisierung von Produktion und Intralogistik wird häufig mit Sensorik, Software, Robotik und vernetzten Systemen verbunden. Industrie 4.0 ermöglicht Echtzeitdaten, digitale Prozessüberwachung und autonome Transporte. Doch technische Machbarkeit allein ist kein ausreichendes Kriterium für eine gute Automatisierungslösung. Entscheidend ist, ob eine Technologie zur konkreten Aufgabe, zum Materialfluss und zum wirtschaftlichen Ziel des Unternehmens passt.

Gerade bei einfachen, wiederkehrenden Bewegungen kann eine weniger komplexe Lösung die bessere sein. Low Cost Automation (LCA) setzt deshalb auf möglichst einfache technische Prinzipien. Das Karakuri-Prinzip nutzt beispielsweise Schwerkraft, Hebel, Gegengewichte, Federn oder Rollenbahnen, um Material ohne elektrische Antriebe zu bewegen. So entsteht eine schnell umsetzbare, wartungsarme Automatisierung mit sehr geringem Energiebedarf.

Industrie 4.0 ist nicht automatisch die bessere Automatisierung
Industrie-4.0-Lösungen spielen ihre Stärken vor allem dort aus, wo Informationen, Vernetzung und flexible Steuerung einen konkreten Mehrwert schaffen. Sensoren können Zustände überwachen, Software kann Daten auswerten und automatisierte Systeme können auf Veränderungen reagieren. Gleichzeitig steigt mit der technischen Komplexität auch der Aufwand für Planung, Integration und Betrieb.

Neben Sensorik und Aktorik können Steuerungstechnik, Software, Netzwerke und Schnittstellen zu vorhandenen Systemen erforderlich sein. Für Unternehmen bedeutet das höhere Investitionskosten und häufig einen größeren Projektumfang. Hinzu kommen Wartung, Software-Updates und die Abhängigkeit von entsprechend qualifiziertem Personal.

Das bedeutet nicht, dass Industrie 4.0 grundsätzlich zu aufwendig oder unwirtschaftlich ist. Vielmehr sollte die Technologie dort eingesetzt werden, wo ihre zusätzlichen Funktionen tatsächlich benötigt werden. Eine einfache Bewegung eines Behälters von A nach B benötigt beispielsweise nicht zwingend Sensorik und eine SPS-Steuerung, wenn sie zuverlässig durch Schwerkraft oder einen mechanischen Mechanismus ausgeführt werden kann.

Low Cost Automation: Einfachheit als technisches Prinzip
Low Cost Automation verfolgt einen anderen Ansatz. Ziel ist nicht, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern eine Aufgabe mit möglichst wenig Aufwand zuverlässig zu lösen. Physikalische Kräfte werden dabei gezielt genutzt. Dazu gehören unter anderem Schwerkraft, Hebelwirkungen, Gegengewichte, Federn und Rollenbahnen.

Karakuri ist ein besonders anschauliches Beispiel für diese Form der mechanischen Automatisierung. Ein Behälter kann beispielsweise über eine leicht geneigte Rollenbahn selbstständig zur Bereitstellposition laufen. Eine mechanische Sperre oder ein Federmechanismus kontrolliert die Bewegung. Bei anderen Anwendungen kann das Gewicht eines Behälters über eine Wippe für den Rücktransport genutzt werden.

Die Bewegung wird durch das System selbst ausgelöst – ohne elektrische Energie, Sensoren oder digitale Steuerung. Dadurch reduziert sich nicht nur die Anzahl der Komponenten. Auch mögliche Fehlerquellen werden weniger.

Karakuri und Lean Management: Erst den Prozess verstehen, dann automatisieren
Karakuri passt besonders gut zu einem Lean-Management-Ansatz. Lean Management verfolgt das Ziel, Verschwendung zu vermeiden und Prozesse auf die tatsächlich notwendige Wertschöpfung auszurichten. Automatisierung sollte deshalb nicht als Selbstzweck betrachtet werden.

Ein sinnvoller Automatisierungsprozess beginnt mit der Analyse des bestehenden Materialflusses. Wo entstehen unnötige Wege? Welche Bewegungen wiederholen sich? Wo wird Material manuell geschoben, getragen oder zurückgeführt? Welche Tätigkeiten lassen sich durch eine einfache mechanische Lösung unterstützen?

Erst danach wird entschieden, welche technische Lösung geeignet ist. Bei einer kurzen Materialbereitstellung am Arbeitsplatz kann Karakuri die passende Antwort sein. Bei einem komplexen innerbetrieblichen Transport mit unterschiedlichen Zielpunkten kann dagegen ein autonomer mobiler Roboter (AMR) seine Vorteile ausspielen.

Diese Reihenfolge verhindert, dass ineffiziente Abläufe lediglich automatisiert werden. Statt einen schlechten Prozess technisch zu beschleunigen, wird zunächst der Prozess selbst verbessert.

Die wirtschaftlichen Vorteile von Karakuri
Ein wesentlicher Vorteil von Low Cost Automation liegt in der Wirtschaftlichkeit. Karakuri-Systeme kommen häufig mit vergleichsweise wenigen Komponenten aus. Dadurch können die Investitionskosten niedrig gehalten werden. Gleichzeitig entfallen bei rein mechanischen Lösungen viele laufende Aufwände, die bei elektronischen Systemen entstehen.

Auch die Projektlaufzeit kann deutlich kürzer sein. Ein mechanischer Aufbau lässt sich häufig direkt an der Anwendung testen und anpassen. Änderungen an einem modularen System können ohne umfangreiche Programmierung umgesetzt werden. Das ist besonders interessant bei regelmäßig veränderten Produktionsprozessen.

Neben den direkten Kosten zählt auch die Verfügbarkeit. Ein System ohne Sensoren, Software und Netzwerkkommunikation besitzt weniger Komponenten, die ausfallen können. Das macht mechanische Automatisierungslösungen in vielen Produktionsumgebungen robust und einfach nachvollziehbar.

Ein weiterer Faktor ist der Energieverbrauch. Wenn eine Bewegung ausschließlich durch Schwerkraft oder mechanische Energie erfolgt, benötigt sie im Betrieb keine elektrische Antriebsenergie. Für Unternehmen, die ihren Energieverbrauch reduzieren möchten, kann dies einen zusätzlichen Vorteil darstellen.

Modulare Rohrstecksysteme als Basis für flexible Lösungen
Damit Karakuri nicht zu einer starren Sonderkonstruktion wird, ist eine flexible mechanische Basis entscheidend. Modulare Rohrstecksysteme eignen sich dafür besonders gut. Konstruktionen können aus Rohren, Verbindern, Rollenbahnen und weiteren Komponenten aufgebaut und bei Bedarf verändert werden.

Bei BeeWaTec werden solche Baukastensysteme unter anderem für Materialbereitstellungen, Durchlaufregale, Wagen, Arbeitsplätze und Karakuri-Anwendungen eingesetzt. Der Vorteil des Baukastenprinzips liegt darin, dass sich bestehende Konstruktionen erweitern oder umbauen lassen, wenn sich Produkte, Mengen oder Arbeitsabläufe verändern.

Gerade in einer dynamischen Produktion ist diese Anpassbarkeit relevant. Ein Arbeitsplatz, der heute für ein Produkt ausgelegt ist, muss morgen möglicherweise anders bestückt werden. Eine mechanische Lösung sollte deshalb nicht nur funktionieren, sondern auch langfristig veränderbar bleiben.

Wann Industrie 4.0 und AMR die bessere Wahl sind
Die Stärke von Karakuri liegt vor allem bei klar definierten, kurzen und wiederkehrenden Bewegungen. Bei komplexeren Anforderungen stößt die mechanische Automatisierung jedoch an Grenzen.

Lange Transportwege, wechselnde Zielpunkte, hohe Transportvolumina oder dynamische Materialflüsse sprechen häufig für eine digitale oder robotergestützte Lösung. Autonome Mobile Roboter (AMR) können beispielsweise unterschiedliche Stationen selbstständig anfahren und Transportaufgaben flexibel übernehmen.

Sensorik und digitale Systeme sind sinnvoll, wenn Zustände überwacht, Bestände erfasst oder Entscheidungen auf Basis von Echtzeitdaten getroffen werden. Hier bietet Industrie 4.0 einen Mehrwert, den eine rein mechanische Lösung nicht abbilden kann.

Die Frage lautet daher nicht „Karakuri oder Industrie 4.0?“, sondern „Welche Technologie ist für welchen Prozess sinnvoll?“. Eine wirtschaftliche Automatisierungsstrategie kombiniert unterschiedliche Technologien dort, wo sie jeweils ihre Stärken ausspielen.

Karakuri + AMR: Automatisierung mit Augenmaß
Ein besonders interessantes Konzept entsteht durch die Kombination von mechanischer und digitaler Automatisierung. Kurze Wege und Materialbereitstellungen lassen sich beispielsweise über Karakuri-Systeme organisieren. Für längere Transporte zwischen Produktionsbereichen übernimmt ein AMR die Aufgabe.

So entsteht eine abgestufte Automatisierung: Der einfache Prozess bleibt einfach, während komplexe Transportaufgaben gezielt automatisiert werden. Das reduziert unnötige Technik und ermöglicht gleichzeitig einen hohen Automatisierungsgrad.

Dieser Ansatz kann wirtschaftlich attraktiver sein, als sämtliche Materialbewegungen mit einer einzigen High-Tech-Lösung abzubilden.

Die richtige Automatisierung beginnt mit der Aufgabe
Die zentrale Erkenntnis aus dem Vergleich von Low Cost Automation, Karakuri und Industrie 4.0 lautet: Nicht die technisch aufwendigste Lösung ist automatisch die beste. Entscheidend ist die Passung zwischen Aufgabe, Prozess und Technologie.

Karakuri bietet insbesondere bei einfachen Materialbewegungen eine robuste und wirtschaftliche Möglichkeit, manuelle Tätigkeiten zu reduzieren. Low Cost Automation kann dabei helfen, Investitionen, Energieverbrauch und Wartungsaufwand niedrig zu halten. Modulare Rohrstecksysteme schaffen die notwendige Flexibilität, um Lösungen an veränderte Anforderungen anzupassen.

Industrie-4.0-Technologien und AMR bleiben gleichzeitig wichtige Bausteine moderner Produktions- und Logistiksysteme. Ihre Vorteile kommen vor allem dann zum Tragen, wenn Vernetzung, Datenverarbeitung oder flexible autonome Transporte tatsächlich benötigt werden.

BeeWaTec verfolgt deshalb einen technologieoffenen Ansatz: Ausgehend von den Anforderungen des Materialflusses wird geprüft, ob eine mechanische Karakuri-Lösung, ein AMR oder eine Kombination verschiedener Technologien den größten Nutzen bringt. So wird Automatisierung nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Werkzeug für schlankere, robustere und wirtschaftlichere Prozesse.

Über die BeeWaTec AG

Die BeeWaTec Gruppe, mit Stammsitz im schwäbischen Pfullingen, ist mit einem flexiblen und innovativen Produktportfolio rund um Lean Manufacturing und Industrie 4.0 international vernetzt und verfügt über Tochtergesellschaften und Niederlassungen in Ungarn, Rumänien, Tschechien, Polen, Österreich und in der Schweiz. Mit seinem innovativen Baukastensystem für die schlanke Fertigung ist BeeWaTec einer der führenden Anbieter im deutschen Markt und konnte seine internationale Marktposition bei Lean- und Materialflusskomponenten kontinuierlich ausbauen. Hier bietet BeeWaTec zum Beispiel Produktions-Arbeitsplätze, Werkstatt-, Labor- und Lager-Ausrüstungen, Kommissioniersysteme, Intralogistik und fahrerlose Transportmittel.

Weitere Informationen unter www.beewatec.de

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