„Die spezifischen Prüfungen erleichtern uns insbesondere auf dem deutschen Markt die Abwicklung brandschutzrelevanter Projekte“, erklärt Marc Feinauer, Konstruktionsleiter der Walter Wurster GmbH. „Den Anstoß, die beiden Schalteranlagen prüfen zu lassen, gab jedoch eine dringende Anfrage aus Frankreich“. Ohne Einzelnachweis sind gutachterliche Stellungnahmen nötig, die eine ausreichende, konstruktive Nähe zu bereits brandschutzgeprüften Elementen bestätigen. Diese werden zwar anerkannt, der damit verbundene Aufwand ist jedoch erheblich. Die deutschen Vorschriften zum baulichen Brandschutz zählen zu den strengsten in Europa. Übergabeanlagen sind als raumabschließenden Bauteile eingestuft und übernehmen im Brandfall eine vergleichbare Schutzfunktion wie entsprechend klassifizierte Wände, indem sie die Ausbreitung von Feuer wirksam eindämmen. Entscheidend für ihre Zulassung ist daher die nachgewiesene Feuerwiderstandsdauer. Bauteile mit der Klassifizierung F90 halten einem Brand 90 Minuten stand und gelten als feuerbeständig.
Konstruktion mit Hochleistungsmaterialien schützt Leben
Beide Modelle kommen in öffentlichen Gebäuden oder Firmen mit sensiblen Zugangsbereichen zum Einsatz und erfüllen daher, je nach Ausführung, die Beschussklasse FB4 und Einbruchwiderstandsklasse RC4. Das Modell 7020 ist mit einer gegenläufigen Durchreiche ausgestattet, die jeweils zu einer Seite geöffnet bleibt. Beim Typ 7053 schließt die Schiebedurchreiche hingegen fassadenbündig ab und eignet sich damit für den Einsatz im geschützten Außenbereich. Bei beiden Produkten haben die Sicherheitstechnikexperten für den Brandschutz sowohl Zarge als auch Korpus der zugrunde liegenden Standardmodelle überarbeitet. Zusätzliche Brandschutzmaterialien verstärken nun die Konstruktion und unterbinden den direkten Kontakt der Metallteile, um sie thermisch zu entkoppeln. An den Übergängen der beweglichen Mulden wurden zudem intumeszierende Werkstoffe verbaut. Diese speziellen Materialien schäumen bei Hitze auf und verschließen sämtliche Öffnungen zuverlässig gegenüber heißen Luftströmungen. Für die Verglasung setzt Wurster auf das Verbund-Sicherheitsglas Pyrobel 35 SPS. Es erfüllt die Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F90, der Beschussklasse BR 4 NS sowie der Einbruchwiderstandsklasse P7B.
90 Minuten, die Sicherheit geben
Für den dokumentierten Nachweis der Feuerwiderstandsklasse F90 hat Wurster insgesamt vier Fensterelemente, zwei pro Modell, dem Brandversuch bei der MPA Braunschweig unterzogen. Die Anlagen werden beidseitig geprüft und dazu jeweils mit Kunden- und Kassenseite zum Feuer hin in eine Prüfwand vor dem Ofen eingebaut. Gemäß DIN EN 1363-1 und 1364-1 steigern die Prüfexperten die Ofentemperatur nach einem definierten Temperatur-Zeitverlauf auf 1.000 Grad Celsius. Auf der feuerabgewandten Seite darf dabei die Temperatur um maximal 160 Grad ansteigen. Beide Modelle haben diese Prüfung erfolgreich bestanden und die geforderten 90 Minuten Feuerwiderstand unter realen Bedingungen nachgewiesen.
Schutz vor Feuer, Beschuss und Einbruch
Die 1947 gegründete Walter Wurster GmbH ist ein hoch spezialisiertes Unternehmen der Metallbe- und –verarbeitung. Auf Basis eines modernen Maschinenparks und mit sehr erfahrenen, langjährigen Fachkräften deckt das Unternehmen nahezu alle gängigen Bearbeitungsverfahren für Metalle ab. Seit 1967 entwickeln und fertigen die Schwaben mit Geldschleusen, Durchreichen und Ticketschaltern sehr erfolgreich auch eigene Produkte. Unternehmen, Tankstellen, Banken, Justizvollzugsanstalten, Hochsicherheitstrakte und Botschaften weltweit setzen die sicherheitstechnischen Lösungen von Wurster ein, die Feuer, Beschuss und Einbruchsversuchen standhalten. Für Sporthallen und Fußballstadien werden Ticketschalter hergestellt, die speziell an die jeweiligen Umgebungsbedingungen angepasst sind. So wurden unter anderem die Fußballstadien Hamburg, München, Stuttgart und Hoffenheim sowie in Aachen und Augsburg mit entsprechenden Systemen ausgestattet. Mehr als 50 Mitarbeitende erwirtschaften am Standort Leinfelden-Echterdingen einen Jahresumsatz von rund acht Millionen Euro.
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